Cleero hat sich mit Komfortkasse verglichen. Wir prüfen die Aussagen nach: Preis, Integration, Funktionstabelle, Bewertungen – mit überprüfbaren Fakten.
Auf der Cleero-Website gibt es einen Vergleichsartikel „Komfortkasse vs Cleero (2026)“ – geschrieben von einem der Gesellschafter des Anbieters ToastCode KLG. Das ist natürlich Marketing, kein neutraler Test. Dieser Beitrag hier ist genauso Partei: Er kommt von uns, Komfortkasse. Wir versprechen im Gegenzug zwei Dinge: Wir argumentieren nur mit überprüfbaren Fakten – und wir schreiben auch hin, wo Cleero tatsächlich punktet.
Alle Angaben zu Cleero und Kindly beziehen sich auf die getestete Version 7.8.0 (Juli 2026) und auf die am 6. August 2026 abgerufenen Seiten beider Anbieter.
1. Ist Komfortkasse in Shopify integriert?
„Drittanbieteranwendung: Keine native Integration des Abgleichs“ – so steht Komfortkasse in Cleeros Vergleichstabelle. Das Fazit setzt nach: Komfortkasse sei „nicht vollständig in Shopify integriert“, das berge „Risiken für Asynchronitäten von Bestellungen“.
Technisch ist das nicht haltbar. Für den Zahlungsabgleich nutzen beide Apps dieselben Schnittstellen: Jede Shopify-App ist extern gehostet – auch Cleero –, verbindet sich per OAuth und liest und schreibt Bestelldaten über die Admin-API (Shopify-Dokumentation). Eine Bestellung auf bezahlt zu setzen, ist genau ein Aufruf dieser API; einen anderen Weg gibt es nicht, für Cleero so wenig wie für uns.
Was Cleero tatsächlich meint: Cleero ist eine embedded App – die Benutzeroberfläche wird per App Bridge in einem iFrame im Shopify-Admin angezeigt, und Cleero trägt das „Built for Shopify“-Badge. Dieses Badge prüft Performance, Integration und Design der Benutzeroberfläche: wie schnell sie im Admin lädt, wie sauber sie dort eingebettet ist, wie vertraut sie sich anfühlt. Wie eine App Bestelldaten liest und schreibt, gehört nicht dazu; darüber, wie schnell oder zuverlässig eine Zahlung zugeordnet wird, sagt das Badge nichts. Ob Bestellungen synchron bleiben, hängt an API-Aufrufen und Webhooks, nicht daran, wo man die App bedient.
Cleero begründet seinen Vorsprung im selben Artikel mit sechs Jahren Erfahrung in der Shopify-Entwicklung. Wir zweifeln daran nicht – wer die hat, weiß, dass jede Shopify-App Bestellungen über dieselbe Admin-API schreibt. In der Tabelle steht es trotzdem anders.
Die externe Oberfläche von Komfortkasse („Händlerbereich“) hat übrigens einen Grund: Komfortkasse ist nicht an ein Shopsystem gebunden. Wer neben Shopify einen zweiten Shop auf WooCommerce oder Shopware betreibt (oder später migriert), oder ein Online-Rechnungssystem wie easybill oder Billbee nutzt, behält denselben Zahlungsabgleich – inklusive Multi-Shop-Zuordnung über ein Bankkonto.
2. Ist Cleero wirklich 10× günstiger als Komfortkasse?
Cleeros Rechnung vergleicht Ungleiches. Bei Komfortkasse sind Zahlungserinnerungen und automatisches Stornieren im Preis enthalten. In der von uns getesteten Version endet Cleero beim Markieren als bezahlt; Erinnerungen und Auto-Storno gibt es in der Schwester-App Kindly desselben Anbieters. Wer nur Cleero gegen Komfortkasse stellt, vergleicht also eine unvollständige Lösung mit einer vollständigen – und die unvollständige kommt zwangsläufig günstiger weg. Wir rechnen deshalb überall in diesem Abschnitt den Aufbau, den der Anbieter selbst vorsieht: Cleero plus Kindly. Auch mit Kindly ist der Funktionsumfang nicht derselbe: Rücküberweisungen, Mahnungen per Post, Inkasso und einiges mehr gibt es nur bei Komfortkasse; eine vollständige Gegenüberstellung gibt es in unserem Praxistest.
Cleero behauptet, „bis zu 10× günstiger“ zu sein. Diese Zahl stammt aus einem Rechenbeispiel mit 1.000 Abgleichen bei 500 $ Durchschnittswarenkorb – einem Shop also, der im Monat eine halbe Million $ ausschließlich per Banküberweisung einnimmt. (Und der exakt so viele Abgleiche durchführt, wie sie in Cleeros Kontingent gerade noch inkludiert sind.)
Der Befund stimmt, die Zahlen nicht: In diesem Beispiel ist Cleero günstiger als wir. Tatsächlich etwa um das Fünffache: 1.089 € bei uns gegen 214 € für Cleero und Kindly zusammen. Im Rechenbeispiel von Cleero fehlte unsere Pauschale für große Warenkörbe, und die Kosten für die zweite App Kindly.
Ebenso lässt sich der umgekehrte Fall konstruieren – ein kleiner Shop mit niedrigen Warenkörben, bei dem Komfortkasse deutlich günstiger ausfällt. Beide Rechnungen wären richtig, und beide taugen nichts als Kaufargument: Man kann sich aus diesem Preisvergleich jede gewünschte Zahl herausrechnen. Deshalb verzichten wir auf Excel-Screenshots und bieten stattdessen einen umfassenden Vergleich als interaktive Heatmap:
Daraus fünf Beispiel-Profile, jeweils der günstigste Tarif auf beiden Seiten. Die ersten drei sind dieselben wie in unserem Cleero-Praxistest, die beiden unteren zeigen den Bereich mit hohem Warenkorb:
Monatskosten in fünf Beispielprofilen – jeweils der günstigste Tarif beider Seiten. Cleero und Kindly rechnen in US-Dollar ab; für den Vergleich sind ihre Beträge zum Shopify-Kurs vom 25.07.2026 umgerechnet: 1 € = 1,1207 $ und 1 $ = 0,8923 €, jeweils inklusive Shopifys 1,5 % Umrechnungsgebühr. Preisstand Juli 2026.
| Beispiel (pro Monat) | Komfortkasse | Cleero + Kindly |
|---|---|---|
| 100 Zahlungseingänge, Ø 40 € Warenkorb | 39,60 € | 40,15 € |
| 500 Zahlungseingänge, Ø 50 € Warenkorb | 200,00 € | 183,81 € |
| 2.500 Zahlungseingänge, Ø 40 € Warenkorb | 600,00 € | 593,38 € |
| 5 Zahlungseingänge, Ø 500 € Warenkorb | 24,75 € | 32,70 € |
| 1.000 Zahlungseingänge, Ø 500 € Warenkorb | 1.089,00 € | 214,15 € |
Berechnungsbasis: Je 100 Bestellungen 11 mit Erinnerungen und 89 Zahlungseingänge; die Zahl der Erinnerungen je Profil ist abgerundet. Ein Bankkonto, keine integrierten Konten, keine SMS, kein Briefversand. Jeweils der günstigste Tarif: Komfortkasse Disagio 0,99 % / 0,8 % / 0,6 % / 0,99 % (Staffel nach Monatsumsatz, Schwellen auf der Preisseite), in der letzten Zeile die Pauschale (99 € plus 0,99 € je Zahlungseingang) · Cleero Starter / Wachstum / Business / Pay as you go / Business · Kindly Starter / Starter / Kinder / Starter / Kind. In Dollar sind das 45,00 $ / 206,00 $ / 665,00 $ / 36,65 $ / 240,00 $. Bei „Pay as you go“ liegt der Prozentsatz auf dem Euro-Umsatz des Händlers und wird zweimal umgerechnet – hin und zurück –, effektiv also 0,75 % × 1,015² = 0,7727 %.
Ein Nebenbefund aus unseren eigenen Daten, der in keiner Tarifzeile steht: fast die Hälfte der erinnerten Bestellungen wird nie bezahlt. Wer Erinnerungen pro Bestellung bezahlt, bezahlt also auch für die Kunden, aus denen nie Geld wird. Bei uns sind Erinnerungen im Disagio enthalten – und das Disagio fällt nur an, wenn Geld ankommt.
3. Was sagen die Bewertungen aus?
Im Shopify App Store steht Cleero bei 5,0 mit 14 Bewertungen, Komfortkasse bei 4,4 mit 11: Bei so kleinen Stichproben kippt eine einzige Bewertung den Schnitt. Belastbarer sind Zahlen über Zeit und Systeme hinweg: Komfortkasse ist seit über zehn Jahren am Markt, hat Millionen zugeordneter Zahlungseingänge hinter sich und wird von Händlern auf Shopify, Shopware, WooCommerce und PrestaShop bewertet – im Schnitt mit 4,7 von 5 (Bewertungen).
Eines fällt allerdings auf: Cleero gibt es seit gut einem Jahr und hat trotzdem mehr Bewertungen als wir nach vier Jahren. Das ist unser Versäumnis – wir haben unsere Zeit lieber in die Produktentwicklung gesteckt als ins Bewertungsmanagement.
Eine Bewertung hebt Cleero besonders hervor – groß auf der Startseite:

„Wir nutzten zuvor Komforkasse.eu. Es ist wie Tag und Nacht. Vorher immer Emails oder Signale händisch checken, händisch markieren, etc.“
Wir behaupten nicht, dass diese Bewertung erfunden ist. Wir müssen aber festhalten: Sie beschreibt einen Vorgang, den es bei Komfortkasse nicht gibt. Weder muss jemand E-Mails durchsehen noch Bestellungen von Hand als bezahlt markieren – genau diese Arbeit nimmt das System ab. Wie es zu dieser Beschreibung kommt, wissen wir nicht. Zu einem Shop, in dem Komfortkasse tatsächlich lief, passt sie nicht.
Eine solche Beschreibung entsteht am ehesten, wenn trotz installierter App nie eine Bestellung über Komfortkasse abgewickelt wurde. Genau das nehmen wir für uns mit: Unsere Ersteinrichtung muss einfacher werden. Daran arbeiten wir.
4. Was stimmt in Cleeros Funktionstabelle nicht?
Rücküberweisungen. Hier steht bei Cleero „Nein“ und bei uns „Ja“ – das ist korrekt, geht im Fazit aber unter. Bei Vorkasse ist das keine Nebensache: Retouren, Reklamationen, Über- und Doppelzahlungen führen regelmäßig dazu, dass Geld zurück muss. Komfortkasse erstattet über ein optionales SEPA-Lastschriftmandat – auch dann, wenn der Zahlungseingang gar keine IBAN enthält, etwa bei einer Auslandsüberweisung oder Bareinzahlung. Auf Wunsch erstattet Komfortkasse Überzahlungen sogar vollautomatisch.
Inkasso kommt in der Tabelle nicht vor. Bleibt eine Rechnung offen, kann der Händler sie direkt aus Komfortkasse an einen Inkasso-Partner übergeben – auch automatisch. Die Kosten trägt der Schuldner als Verzugsschaden. Bei Cleero haben wir diese Möglichkeit nicht gefunden.
Integrationen: nicht nur Sufio. Die Tabelle nennt für uns nur Sufio zum Auslesen der Rechnungsnummer. Tatsächlich sind es viel mehr: neben Sufio auch Pickware, der Pathway Rechnungsprinter und Sevdesk (sowohl über sevify als auch über die eShop-Guide-App). Und über ein frei wählbares Metafeld kann praktisch jede andere Rechnungs-App angebunden werden (Anleitung).
Entwurfsbestellungen: „Unklar“ – die richtige Antwort ist Nein. Komfortkasse ruft Shopifys Draft-Orders-Schnittstelle nicht ab; eine Bestellung sehen wir erst, wenn aus dem Entwurf eine echte Bestellung geworden ist. Cleero kann das und schließt den Entwurf beim Zuordnen automatisch ab. Der Punkt geht an Cleero.
QR-Codes „nur EUR“: falsch. Komfortkasse erzeugt auch Schweizer QR-Codes in EUR und CHF, darüber hinaus eine komplette Schweizer QR-Rechnung mit QR-IBAN und QR-Referenz und liest diese Referenz beim Zahlungseingang auch wieder aus. Unsere QR-Codes werden per E-Mail oder Brief an den Endkunden versendet und sind nicht im Shopify-Checkout sichtbar. Cleero zeigt seinen QR-Code auf der Danke- und der Bestellstatus-Seite.
Ebenfalls nicht aufgeführt: der Prozess für Über- und Unterzahlung, der Self-Service für Endkunden, die Überwachung abgebrochener PayPal- und Kartenzahlungen, unsere eigene Referenznummer mit Prüfsumme, DATEV-Export, integrierte Bankkonten je Land und Mahnungen per Post samt Zahlschein-Beilage.
5. Wann ist Cleero die bessere Wahl?
Cleero hat eine schlanke, moderne Oberfläche direkt im Shopify-Admin, das „Built for Shopify“-Badge, und für Shops mit hohem Warenkorb und konstant hohem Vorkasse-Volumen kann der Pauschalplan günstiger sein. Wer ausschließlich Shopify nutzt, nur den reinen Abgleich braucht und unklare Fälle weiterhin selbst prüfen will, bekommt dort eine ordentliche Lösung.
Wer Vorkasse und Rechnungskauf komplett automatisieren will – inklusive der Fälle, die nicht glatt laufen (falsche Verwendungszwecke, Über-/Unterzahlung, Erinnerungen, Mahnungen, Rückerstattungen, Inkasso) – der findet genau dafür Komfortkasse. Seit über zehn Jahren, mit Zuordnungsgarantie.
Wer es genau wissen will, glaubt weder Cleero noch uns, sondern vergleicht selbst. Komfortkasse lässt sich dafür 30 Tage kostenlos testen.



